Audio Dummy Load - Bis zu 450W an 2, 4 oder 8 Ohm

Zum Test der frisch reparierten PA-Endstufe war ich auf der Suche nach einer Möglichkeit, diese einige Zeit unter Last laufen zu lassen, ohne dass mir dabei die Ohren wegfliegen. Schließlich leistet sie bis zu 750 Watt pro Kanal, und ich fand den Gedanken wenig prickelnd, einen 1kHz-Sinuston dieser Leistung auf echte Lautsprecher zu geben.

Meine Nachbarn sowie die Nachbarn der Nachbarn übrigens auch nicht.

Ansicht

Also habe ich mich nach Bauanleitungen zu einer Audio Dummy Load umgesehen, und bin im Netz fündig geworden. Dort wurden 9 bzw. 18 Widerstände mit je 10W und 3,9 Ohm so verschaltet, dass eine Dummy Load mit einer Belastbarkeit von 90W (bei 3,9 Ohm) bzw. 180W (bei 7,8 Ohm) entsteht.

Meine Version

Getreu dem Motto eines Ex-Nationaltorhüters (Wir brauchen Eier!) hab ich in meiner Version dickere Widerstände verwendet, nämlich welche mit 4 Ohm und 25W. Durch entsprechende Verschaltung der Anschlüsse ist es möglich, eine Last mit 2, 4, 8 oder 16 Ohm zu erhalten (für 16 Ohm sind zwei Aufbauten der Schaltung nötig). Das folgende Schaltbild zeigt die Schaltung eines Kanals, für eine Stereo-Dummyload (oder falls man eine Last mit 16 Ohm benötigt) muss diese Schaltung ZWEIMAL aufgebaut werden.

Schaltung

Das folgende Bild zeigt die verschiedenen Verschaltungsvarianten, mit denen man auf verschiedene Lastwiderstände kommt. Es lohnt sich also, die Schaltung gleich doppelt aufzubauen, so kann man bei einem Stereoverstärker beide Kanäle mit 2, 4 oder 8 Ohm gleichzeitig belasten, oder hat die Möglichkeit auch mal eine 16 Ohm-Last zu erhalten.

Schaltvarianten

Gesamtwiderstand Belastbarkeit Anschluss Verstärker
2 Ohm 450 Watt (1): P1+P2 verbinden
(2): P3
4 Ohm 225 Watt (1): P1 oder P2
(2): P3
8 Ohm 450 Watt (1): P1
(2): P2
16 Ohm 900 Watt (1): 1. Dummyload P1
P2 von 1. mit P1 von 2. Dummyload verbinden
(2): 2. Dummyload P2

Aufbau

Ich habe die Widerstände bei einem Großeinkauf bei Mouser mitbestellt, es handelt sich hier um den Typ 280-CR25-24-RC von Xicon. Ab 10 Stück kostet ein Widerstand 0,95€, so dass man mit 36 Stück für eine Stereo-Dummyload bei 34,20€ landet. Ist für eine Dummyload dieser Leistungsklasse sicher kein schlechter Preis. Auf spezielle induktivitätsarme Typen, die im Internet manchmal empfohlen werden, hab ich nicht geachtet, denn mal ehrlich - jeder Lautsprecher ist auch ne ordentliche induktive Last, da sollte die Induktivität eines normalen Drahtwiderstandes eigentlich kein Thema sein, oder?

Widerstände

Für den mechanischen Aufbau hab ich Reste von Kunststoffplatten (ca. 1cm dick) benutzt, die ich in Streifen geschnitten und daraus einen Rahmen gebaut habe. Die Anschlussdrähte der Widerstände sind dann einfach durch Bohrungen in den Streifen durchgesteckt, umgebogen und verlötet. Auf der Oberseite befindet sich eine Anschlussplatte mit 6 4mm-Buchsen, an denen mit normalen Laborleitungen die Quelle angeschlossen werden kann.

Buchsen

Noch mehr Power!

Es ist kein Problem, die Dummyload kurzzeitig an höherer Leistung zu betreiben, eine kurzzeitige Überlastung machen die Widerstände locker mit. Soll für längere Zeit eine hohe Leistung verbrutzelt werden, kann man die Dummyload auch in einen Eimer mit Wasser stellen, um die Verlustwärme abzuführen. Wichtig: In diesem Fall sollte man nur mit Wechselspannung belasten, da bei Gleichspannung durch Elektrolyse Wasserstoff entstehen kann, welcher hochentzündlich ist. Für den Betrieb mit Gleichspannung sollte man deshalb auf Öl ausweichen.

ACHTUNG !!
Die Dummyload sollte nicht unbeaufsichtigt betrieben werden! Bei Betrieb an Gleichspannung nicht mit Wasser kühlen!
Bei Betrieb in Öl am Besten eine Temperaturüberwachung benutzen, um eine Überhitzung auszuschließen!

Im folgenden Bild sind einige Luftbläschen an den Widerständen zu sehen. Diese kommen aber nicht von Elektrolyseprozessen, sondern waren gleich beim Eintauchen der Dummyload vorhanden.

Unter Wasser